18599 GÜTEGEMEINSCHAFT

Nachbericht vom Symposium zur EnEV-Software

Mehr als eine Wahrheit

 

Vor über einem Jahr startete ein Forschungsvorhaben, um die Qualität der DIN V 18599-Software einzuschätzen und die Anwend­barkeit der Norm in Verbindung mit den Anforderungen der EnEV zu belegen. Damit sollte die Qualitätssiche­rung und -steigerung der vorhandenen Softwareprodukte erzielt werden. Nun wurden die Resultate vorgestellt.

Bereits im Jahr 2007 erteilte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) einen Auftrag über die Forschungsinitiative Zukunft Bau an das Institut für angewandte Informatik im Bauwesen e.V. (IAIB) zur Qualitätsprüfung der Softwareprodukte. Am 23. April wurden die Ergebnisse beim Symposium "Nachweisführung zur Energieeinsparverordnung mittels Software" in Berlin vorgestellt und diskutiert.

Verschiedene, richtige Ergebnisse möglich

Prof. Dr. Dr. Fehlauer (IAIB) beschrieb, dass mit der EnEV 2007 eine völlig neue Marktsituation für die Bilanzierung von Nichtwohngebäuden entstanden ist. Es herrschten wenig Erfahrung und auch Unsicherheiten bei der Anwendung der Verordnung und der DIN V 18599. Daraus ergab sich die Notwendigkeit für eine Qualitätsprüfung und -sicherung. Die Ziele des daraus resultierenden Forschungsauftrags waren zudem die Definition von Qualitätskriterien und die Entwicklung eines Bewertungsverfahrens für Software. Zur Durchführung gehörte auch ein Anwendertest nach dem Mehr-Augen-Prinzip mithilfe einer umfangreichen Dokumentation. Für den Test wurde auf ein reales Gebäude mit mehreren Haustechnikvarianten zurückgegriffen. Wichtige Erkenntnis: die Bilanzierung von Nichtwohngebäuden ermöglicht durch unterschiedliche Genauigkeiten bei den Eingabedaten, verschiedene Rundungs- und Vereinfachungsmöglichkeiten eine sehr große Anzahl an verschiedenen, jedoch allesamt korrekten und EnEV-konformen Ergebnissen für ein und dasselbe Gebäude. Deshalb definierten die Tester zunächst einen Erwartungswert und einen Genauigkeitskorridor, um die Güte der Software anhand der Lage des Ergebnisses im Vergleich zu diesen Daten zu messen. Wie Fehlauer ausführte, zeigen die Resultate des Tests, dass die EnEV 2007 und die DIN V 18599 anwendbar und umsetzbar sind. Als wichtigste Qualitätsmerkmale wurden  die Rechengenauigkeit und der Umsetzungsgrad der Verordnung festgelegt. Das Projekt habe auch den Verbesserungsprozess bei den Software-Produkten aktiv unterstützt. Die Qualität einzelner Programme und die Namen der Hersteller wurden nicht benannt und sollen auch zukünftig nicht veröffentlicht werden.
Heiko Winkler (IAIB) bestätigte, dass Programme existieren, die die Norm in guter Qualität umsetzen können. Die Streuung der Ergebnisse beruht auf "Kann"-Bestimmungen, Rundungsfehlern, unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten, Fehlen in der Software und der Norm. Auch mangelnde Sachkenntnis des Anwenders über die Norm und die Software können Ursachen dafür sein. Winkler sprach sich dafür aus, für die EnEV 2009 neue Prüfkriterien abzuleiten.
Die Vielfalt der möglichen korrekten Berechnungsergebnisse sorgte im Publikum für Aufregung und Diskussionen. Wolfgang Ornth, Referatsleiter im BMVBS, wies darauf hin, dass es auch bei anderen Nachweisen wie etwa der Tragwerksplanung auch keine eindeutigen Ergebnisse gebe, jedoch ein Vertrauensbereich existiere.

Baustellen der EnEV

Dr. Dieter Thiel (Schmidt Reuter Integrale Planung und Beratung GmbH, Köln) berichtete von eigenen Erfahrungen bei der Energieausweiserstellung und der Bewertung von Nichtwohngebäuden. Sein Fazit lautete: es ist bereits viel erreicht, die Berechnungswerkzeuge sind in Ordnung. Seiner Beobachtung nach setzt sich der Bedarfausweis durch und der Bereich der DIN V 18599-Anwender wird immer größer. Allerdings merkte er kritisch an, dass Photovoltaik-Anlagen noch nicht in die Bilanz einbezogen werden können.
Prof. Dr. Bert Oschatz, Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG), ging auf die Problematik der häufigen Abweichung zwischen Bedarf- und Verbrauchswerten ein, die bei Wohn- und Nichtwohngebäuden vorliegt. Er beschrieb den Bedarfs-/Verbrauchsabgleich als zwingend erforderlich für die seriöse Bewertung von Energiesparmaßnahmen bei der Energieberatung. Außerdem sei der Abgleich zur Validierung von Bedarfsrechnungen bei Nichtwohngebäuden empfehlenswert. Die DIN V 18599 werde deshalb weiter entwickelt, um systematische Differenzen zwischen Bedarf und Verbrauch zu eliminieren. Dazu soll zum Herbst ein Teil 11 zur DIN V 18599 erscheinen.
Hans Erhorn, Fraunhofer-Institut für Bauphysik, referierte über die Anwendungsgrenzen und die Weiterentwicklung der DIN V 18599. Er wies daraufhin, dass mit einem neuen Teil 100 zur DIN V 18599, der voraussichtlich noch vor der Sommerpause erscheint, kurzfristig Korrekturen und Verbesserungen im Normenwerk durchgeführt werden. Dies betrifft z.B. vereinfachte Zonierungsregeln, die Integration des hydraulischen Abgleichs und Details zur Effizienzbestimmung von Wärmepumpen in Wohnungslüftung. Für nächstes Jahr ist eine Neufassung der gesamten DIN V 18599 geplant, die z.B. eine vereinfachte Bauteilaufnahme, die Bewertung von solarer Kühlung, erweiterte Klimadaten, neue Nutzerprofile, Beispielrechnungen sowie Details zur Schwimmbäder-Problematik bringen soll.
Die Ziele für die EnEV 2012 fasste Dr. Alexander Renner (BMVBS) zusammen. Geplant ist, die Bilanzierungsverfahren zu vereinfachen und Plausibilitätskontrollen durch Zwischen- und Teilergebnisse zu ermöglichen. Die Referenzgebäudemethode soll beibehalten werden. Auf den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes soll verstärkt Augenmerk gelegt werden. Bei den Berechnungsverfahren wird angestrebt, die Effizienz von Teilkomponenten.

Gütegemeinschaft für Software gegründet

Beim Symposium wurde auch die am 6. April 2009 in Hannover gegründete "18599 Gütegemeinschaft e. V." vorgestellt. Als Mitglieder haben sich die folgenden führenden Hersteller von DIN V 18599 Software unter Leitung des IAIB  zusammengeschlossen:

  • Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern GmbH
  • Ennovatis GmbH
  • ENVISYS GmbH & Co KG
  • Hottgenroth Software GmbH & Co. KG
  • Ingenieurbüro Leuchter
  • KERN Ingenieurkonzepte
  • ROWA Soft GmbH
  • SOLAR-COMPUTER GmbH
  • VISIONWORLD GmbH

Die 18599 Gütegemeinschaft e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die Softwareprogramme zur Berechnung der DIN V 18599, die Norm selbst und damit verbundene Normen zu verbessern. Der Verein sieht sich als Ansprechpartner für die Förderung des Dialoges zwischen Ministerien, Verbraucherorganisationen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen der "18599-Branche" und soll Norm-Vorgaben, wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis vereinen (weitere Informationen s. Interview).

Quelle:
Britta Großmann,
Gebäude-Energieberater, Gentner Verlag GmbH & Co. KG, Mai 2009.

Copyright © 2013, 18599 Gütegemeinschaft          www.18599Siegel.de